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Zurück zur Übersicht19.09.2025
Fiebertraum wird wahr
Mit einem Fiebertraum machten wir uns auf den Weg nach Thüringen, also Clemens mit dem Fieber und Jan mit dem Traum. Der Traum war die Qualifikation zu den U20 Deutschen Vereinsmeisterschaften, doch so realistisch war dieser Traum zunächst nicht. Als Vorletzter der Setzliste erwarteten sowohl wir als auch die Gegner keine großen Erfolge von uns.
Nachdem wir in der ersten Runde pflichtbewusst das schwächste Team aus Darmstadt geschlagen hatten, rückte der Traum nach der 2. Runde in noch weitere Ferne. Gegen die durchaus schlagbare Mannschaft aus Weimar passierte das ein oder andere Missgeschick (Namen möchten wir hier nicht nennen) und denkbar knapp ging der Mannschaftskampf mit 3,5:2,5 verloren.
Der guten Stimmung hat die Niederlage nicht geschadet. Wir beschlossen uns stattdessen einfach eine gute Zeit in Thüringen zu machen, schließlich standen in Runde 3 die Favoriten aus Hofheim auf dem Plan, gegen die wir uns ohnehin wenig Chancen ausrechneten. Nicht nur mit FM an Brett 1, sondern insgesamt stark besetzt waren die Hofheimer durchaus furchteinflößend.
Am Samstagmorgen setzten wir uns also an die Bretter und direkt das erste Ergebnis schien unsere Befürchtungen zu bestätigen. Doch nach dem zweiten Ergebnis schien plötzlich alles möglich. Oscar wies an Brett 1 eiskalt den FM in seine Schranken und sicherte so einen wichtigen Punkt. Dass Clemens seine Remisstellung doch noch verlor, wurde dadurch ausgeglichen, dass Johannes zur Überraschung seines Gegners einfach mal mattsetzte. Spielstand 2:2!
An den verbliebenen 2 Brettern sah es jedoch gar nicht gut aus. David hatte nach einer guten Eröffnung in Zeitnot nicht nur seinen Vorteil verspielt, sondern sogar einen glatten Bauern verloren. Aaron versuchte währenddessen mit einer Figur weniger Remis zu halten. Seine Gegnerin versuchte für über 80 Züge einen Sieg zu erzwingen, aber bot schlussendlich frustriert Remis (2,5:2,5). Es hing also an David, der mit gutem Schachspiel und vielleicht ein bisschen schwarzer Magie plötzlich einen Bauern mehr hatte und diesen souverän zur Dame umwandelte:
3,5:2,5!
Damit hatte niemand gerechnet!
Die Birkenfelder hatten bereits vor der Runde eine Strategie ausgearbeitet, um uns möglichst mühelos in die Knie zu zwingen. Der Plan war an allen Brettern Remis zu spielen und das letzte Brett zu gewinnen, an dem sie über 400 DWZ-Punkte mehr zu bieten hatten. Das frühe (ZUG 4) Remisangebot an Brett 3 nahmen wir trotzdem dankend an, denn wir wussten etwas, dass die Birkenfelder nicht wussten: Aaron ist eine Maschine. Erst kurzfristig nachnominiert bewies er, dass seine DWZ von 1273 bestenfalls ein schlechter Scherz war und holte ohne Verlust 4/5 gegen einen Gegnerschnitt von 1570. Ein kleiner DWZ-Zuwachs von 250 Punkten war der Lohn.
Damit fiel die Strategie der Birkenfelder ins Wasser und wir konnten einen 4:2 Sieg einfahren. So war für uns vor der letzten Runde auf einmal alles möglich. Problem: Johannes musste als Teil der arbeitenden Bevölkerung verfrüht abreisen. Der Hoffnungsschimmer: Ein 3:3 in Unterzahl würde für die Qualifikation reichen.
Wir setzten uns also am Samstagabend zusammen und tüftelten an unserer Strategie. Klar war, Oscar holt wieder einen ganzen Punkt. Woher wir das wussten? Macht der Gewohnheit! Clemens war unserer Meinung nach dran seine Krankheit zu überwinden und auch mal nen halben Punkt beizusteuern. Wenn dann der Rest Remis hält schien die Qualifikation in greifbarer Reichweite.
Aber wie sagt man? „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm deine Pläne.“
Immerhin der erste Teil des Plans funktionierte hervorragend und Oscar holte sicher den ganzen Punkt (1:1) Der Rest wurde aber etwas knifflig. Aaron hielt sich zwar an den Plan und nahm ein Remisangebot seines Gegners an (1,5:1,5), aber mittlerweile sah es an den verbliebenen 3 Bretter (David, Julian, Clemens) zunehmend düster aus. Neben Clemens Stellung fing auch noch seine Nase an zu bluten und es sah unwahrscheinlich aus, dass David oder Julian Clemens Verlust ausgleichen könnten.
Diesen Job übernahm großzügigerweise Clemens Gegner, der in dominanter Stellung einen Bauerndurchbruch übersah. Clemens nutzte die Gelegenheit um die Partie doch noch ins Remis zu retten. Vergaß dabei aber nach so einem Partieverlauf nach Gewinnwegen Ausschau zu halten und verpasste so die goldene Gelegenheit die Mannschaft in Führung zu bringen (2:2).
David und Julian kämpften tapfer weiter, allerdings sah Davids Stellung bald alles andere als vielversprechend aus. Ernüchtert machten wir uns auf den Weg zum Speisesaal, um uns vor der bevorstehenden Abreise nochmal zu stärken. Dort leistete uns auch David bald Gesellschaft (2:3). Die Hoffnung auf eine Qualifikation konnten wir somit quasi begraben, da Julians Stellung vielleicht remisierbar, aber keinesfalls gewinnbar aussah.
Auch Jans Versuch uns auf den Arm zu nehmen, stieß zunächst auf Taube Ohren. „Julian hat gewonnen!“, meinte er. „Du verarschst uns doch“, war die wenig überraschende Antwort. Aber nein! Bereits bei den Rheinland-Pfalz Meisterschaften hatte Julian gezeigt, dass er die Punkte dann holt, wenn es wirklich darauf ankommt. Und irgendwie war ihm das auch dieses Mal gelungen. Vielleicht durch pures Glück, vielleicht durch pures Können oder einen Pakt mit dem Teufel. Uns war es egal. Wir hatten das scheinbar Unmögliche geschafft und uns für die DVM 2025 qualifiziert.
Ein Bericht von dort folgt dann Ende des Jahres!
Bis dahin alles Gute
Clemens und Jan
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